Kapitel 1. Licht im Schatten
Es kam so plötzlich, ein Lichtblitz, ein helles Leuchten das den Nachthimmel minutenlang in ein, fast Tages gleiches, helles Licht tauchte.
Erschrocken vor Ehrfurcht zuckte die kleine Gestalt, vor seinem Lagerfeuer zusammen. So ein Schauspiel hatte Sie noch nie gesehen. Nach wenigen Minuten der Bewunderung, erhob Sie sich und fing hastig an seine Habseligkeiten zusammen zupacken. Wenige hundert Schritte entfernt von seiner Lagerstelle blieb Sie stehen. Dann ertönte ein heller Pfiff und nach wenigen Sekunden war ein lautes rascheln aus dem Unterholz des kleine Wäldchen, in dem sich die Gestalt aufgehalten hatte, zu hören. Ein schwarz bläuliche Etwas erhob sich, dessen Körper das kleine Wesen, dass den Pfiff ausgestoßen hatte, um mehr als zwei Kopflängen überragte. Erst langsam dann schneller werdend trabte das Tier auf die Gestalt zu, nur um wenige Zentimeter neben Ihr halt zu machen. Eine seiner Pranken war so groß wie die Füße der Gestalt und sein Fell war bis auf eine Kleine weiße stelle am Hals fast ausschließlich schwarz mit einem leichten Schimmer von blau. Mit der Leichtigkeit einer Feder schwang sich die Gestalt auf den Rücken des Tieres. Dessen Kopf eine ähnliche Form hatte wie die eines schwarzen Panters nur das die Schnauze etwas länger, die Ohren Spitzer und sein Fell zottig waren. Die Smaragdgrünen Augen funkelten wild und das Tier wartet ungeduldig auf den nächsten Befehl seinen Herren. Leise flüsterte die Gestalt “Nach Westen Anro, nach Westen in die Richtung aus der das Leuchten kommt. Los mein guter, Los!” Anro setzte sich in Bewegung, schnell und mit einer solchen Leichtigkeit das man meinen könnte er wäre ein Schatten. Zugegeben ein 2 Meter großer Schatten aus der Familie der Moorkater. Nach weniger als 2 Minuten lag das Wäldchen hinter ihnen und vor ihnen breite sich so weit wie die Sicht reichte Felder und Wiesen aus. Hier und dort standen vereinzelnd kleinere Baumgruppen, schmale Pfade durchpflügten die Landschaft und trennten die Felder und Wiesen voneinander.
Minutenlang ritt das ungleiche Paar nun schon nach Westen, als das Licht nach und nach den Nachthimmel wieder frei gab, bis es schließlich ganz vergangen war und die beiden nun wieder in vollkommene Nacht hüllte. “Anro was meinst du, was könnte das gewesen sein?” Der Moorkater schnaubte kurz und blieb dann unverhofft stehen, drehte seinen Kopf so das er die Gestalt auf seinem Rücken mit einem seiner Smaragdgrünen Augen deutlich erkennen konnte. “Ich sehe schon, du weißt es eben so wenig wie ich. Gut, dann weiter.” Der Moorkater setzte wieder an, spurtete wie der Wind selbst über die weite Ebene von Junra, wie Sie von ihren Bewohnern genannt wird. Junra, dass weite Land der Felder, ist eine riesige Ebene in der hauptsächlich Ackerbau betrieben wird. Nach Osten und Norden hin, ist die Ebene vom Meer eingeschlossen. Im Süden erstreckt sich ein schier unüberwindbares Bergmassiv von mehr als 3 Kilometer Höhe, dass von den Bewohnern der Ebene, aufgrund seiner Beschaffenheit und der Tatsache das es zur Ebene hin so gut wie senkrecht emporragte, nur der Wall genannt ward. In Richtung Westen erstreckt sich ein Wald von solchen Ausmaßen das man mit unter Monate in ihm Umher Irren konnte ohne das Ende des Waldes zu erreichen. Und in eben diesen Wald führte nun die Reise von Anro dem Moorkater und seinem kleinem Reiter gerade.
Nach mehreren Kilometern erreichten die beiden eine kleinere Ansiedlung von Häusern die mitten in der Ebene, umgeben von Feldern, selbst bei Nacht noch gut zu erkennen waren. In einigen der kleinen Bauten brannte noch vereinzelt Licht. Schnell erreichten Sie den Rand der Siedlung, wo Sie an einem etwas schief stehendem Schild, auf dem der “Hulgar” eingraviert war, vorbei ritten. Leise huschte eine weiß-graue Katze an ihnen vorbei, ansonsten lagen die Wege, die durch die Siedlung führten ruhig da und keine Menschenseele war zu sehen. Anro erreichte nach wenigen Wendungen vorbei an einigen geschlossenen Läden, eine kleine Hütte auf der anderen Seite der Siedlung. Hier blieb der Moorkater stehen und lies seinen kleinen Reiter von seinem Rücken gleiten. Dieser machte sich auf und betrat die kleine Veranda vor der Hütte und spähte durch eines der Fenster, um zu sehen ob drinnen alles dunkel und ruhig war. Dann macht er sich auf mit leisen Sohlen und äußerster Behutsamkeit die Eingangstür zu öffnen um sich in das Innere der Hütte zu stehlen. Mit leichten Schritten und auf jedes Geräusch lauschend, tastete er sich durch die Hütte, bis zu einer kleinen Holztür, die sich auf halber Strecke auf der rechten Seite des Raumes befand. Dort angekommen versuchte er diese langsam und möglichst ohne Geräusche zu öffnen, was jedoch durch ein jähes Knarren eben jener Tür nun zum Scheitern verurteilt war. Kaum das die Tür Knarrte, flog auf der linken Seite des Raumes eine schwere Holztür auf, in dessen Rahmen sich eine Hochgewachsene Gestalt aufbaute und der Schein aus dem Zimmer dahinter erleuchtete die massige Figur und den bis vor wenigen Sekunden dunklem Raum. Ohne Vorwarnung, ohne eine Erklärung, stürmte die Gestalt auf das kleine Etwas das an der knarrenden Tür stand zu und Pakte ihn mit beiden Händen an den Schultern und hob die Gestalt hoch. “Kannst du mir verraten wo du die letzten 3 Tage gewesen bist?” raunte es mit einer solchen Intensität und einer solchen schier unglaublichen Kraft, dass es dem kleinen Etwas das am ganzen Leib zitterte und wehleidig aussah die Sprache verschlug. Leise und fast unterwürfig stammelte es: “Ich … ich war … ich…”. “Du, du, du, du warst was? Weg warst du ohne ein Wort ohne eine Nachricht. Denkst gar nicht daran, dass ich hier bin und mir eventuell Sorgen machen könnte!?”, unterbrach die massive Gestalt, die nun das wimmernde Etwas auf den Boden setzte und sich auf machte, ein paar Lichter im Raum anzuzünden. “Nun erzähl, wo warst du?” Langsam wurde es im Raum etwas heller durch den Kerzenschein, die kleine Gestalt schlich sich betroffen und mit gesenktem Blick zu einem der Stühle und setzte sich. “Ich, ich war im Wald mit Anro jagen.” Verwundert schaute die Person, die nun durch den Schein der Kerzen merklich an Kontur gefunden hatte und dadurch als Eindeutig weiblich zu erkennen war, das etwas an. “3 Tage, Rin! 3 Tage ohne eine Nachricht.” Nachdem Sie zwei weitere Kerzen entzündet hatte, setzte sie sich zu ihm an den Tisch. “Und was hattest du hier vor? Dich leise einschleichen, ein paar Vorräte einpacken und dann wieder ohne ein Wort oder eine Nachricht verschwinden?” Bedrückt schaute Sie mit leicht nervösem Blick auf Rin und erwartete seine Antwort. Rin schwieg und überlegte wie er sich aus dieser Situation befreien könnte.
Die Minuten zogen sich, wie ein langsam fließender Fluss, dahin, während Rin versuchte seine Gedanken, die wie flüchtige Schatten durch seinen Kopf schwebten, zu ordnen. Dann kam ihm, wie aus einer dunklen Ecke geschossen, eine Idee. “Manja, ich wollte nur etwas extra Proviant besorgen um noch weiter Jagen zu können. Ich habe dir ja, ein Nachricht da lassen wollen, aber dann währe Olja mir gefolgt. Und das wollte ich vermeiden, du weißt ja wie er ist.” Manja musterte ihn eindringlich. “Ja ich weiß wie dein Vater sein kann, deswegen will ich genau Wissen, was du nun genau vor hattest. Denn ich glaube dir deine Geschichte nicht, aber damit werden wir uns Morgen beschäftigen. Du gehst jetzt erstmal zu Bett.” Ohne ein weiteres Wort zu zulassen verwies Sie ihn auf sein Zimmer. Niedergeschlagen das sein versuch sich raus zureden gescheitert war und von der dreitägigen Jagt noch etwas mitgenommen schlurfte Rin von dannen. Doch sein Verstand arbeitete auf hoch Touren, er würde einfach eine Stunde warten und sich dann einfach davon stehlen.
Die Stunde verging schnell und im Haus war es seit einer Weile schon wieder so ruhig wie zu dem Zeitpunkt als er versuchte leise ins Haus zu schleichen. Langsam schob er sich durch das Fenster seines Zimmers, auf seinem Rücken ein kleinen Beutel mit Proviant, denn er, während er von seiner Mutter erwischt wurde, gerade noch so verstecken konnte. Es war nicht viel, etwas Käse und ein Leib Brot, aber für mindestens drei Tage würde dies ausreichen. Zudem konnte er immer noch Jagen, denn die Ebene bot allerlei Tieren ein reich gedecktes zu Hause. Unten angekommen pfiff Rin kurz nach Anjo, der Moorkater hatte während der gesamten Zeit die Veranda nicht verlassen und trotte nun halb Schlaftrunken um das kleine Haus. Mit einer fast Elfen gleichen Geschicklichkeit schwang sich Rin auf den Rücken des Moorkaters und flüsterte ihm dann leise ein paar Worte ins linke Ohr.